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alte editorials:

Köln, im September 2021

Von der eindringlichen Warnung bis zum Eintreffen des Übels gerade mal drei Monate - das ist Rekord, selbst für eine Website, die gelegentlich über privilegierte Informationen verfügt. Einst hieß es, die Staaten seien die kältesten aller Ungeheuer, und wir missbilligten das scharf. Nun können wir beobachten, was passiert, wenn die Ungeheuer zu arthritischen Schoßhündchen mutieren, die nur noch schrill herumkläffen und sonst nichts drauf haben. Auch kein schöner Anblick!
Im Augenblick kann man nur eines mit Gewissheit sagen: Das bleibt kleben. Am amerikanischen Präsidenten, der die Zeitpläne seines kriminellen Vorgängers ja durchaus hätte ändern können. Und an Figuren wie dem deutschen Außenminister Maas, der alles tat, um wegzuhören, als sein Kabuler Botschaftspersonal jeden Tag lauter um Hilfe rief. Alles nur, um das Zwischenhoch seiner Partei in den Umfragen zur Bundestagswahl nicht durch einreisende Afghanen zu gefährden. 2015 dürfe sich nicht wiederholen, hieß es. Schon klar: 2015, das erste große Staatsversagen, dieses steuerfinanzierte Förderprogramm für Westentaschennazis, war ein böses Jahr für Deutschland. Und Europa. Nun zieht man auch noch aus dem bösen Jahr die falschen Schlüsse.


Köln, im Oktober 2021

Nun hat Deutschland also gewählt und erstmals stellen die einst großen Volksparteien CDU/CSU und SPD nicht mehr die Bedingungen. Beide liegen gleichauf bei etwa 25 Prozent, mit leichtem Vorsprung der Sozialdemokraten. Für jede denkbare Koalition, außer der „großen“, sind daher sowohl FDP wie auch die Bündnis/Grünen unverzichtbar. Folglich setzen die sich jetzt vorab zusammen und handeln aus, mit welchem gemeinsamen Forderungspaket sie auf die Großen zugehen wollen. Wenn sie zusammenhalten, kann für das Land ein gehöriger Modernisierungs- und Umweltschub herauskommen, denn auch in ihrem Binnenverhältnis ist ja klar: Keiner kann den anderen ausbooten oder übers Ohr hauen. Macht der andere nicht (mehr) mit, gibt es keine Koalition, nirgends. Zum Ende der Legislatur wird dann natürlich ein komplexes Blame-Game losgehen, wer die Koalition platzen lässt und dabei am besten aussieht. Doch ganz aktuell könnte Cum-Ex-Scholz  es werden. Genauso gut der schwer angeschlagene Laschet, der nur noch nicht abgeschossen ist, weil sein guter Draht zu Lindner die Lage noch mal drehen könnte. So viel zur Mitte.
Die Ränder sind marginalisiert. AfD und Linke haben Verluste eingefahren. Es gab schon Bundestagswahlen, mit denen die Gründer weniger glücklich waren.

Mal sehen, was nächstes Jahr in Frankreich passiert.

Dann soll ich noch ausrichten: Terra Australis ist nach wie vor das neutrale Gebiet der Räte, was sich – so wörtlich – CNM und COR hinter die Ohren schreiben mögen.

Köln, im November 2021

Wenn jemand in der Oktoberausgabe des editorials die Lobhudelei Adam Bonaventura Czartoryskis für Antje Peeters mitgekriegt hat, aus dem vorletzten Kapitel von „Der Kontrakt des Söldners“, wird w/m/d verstehen, warum es darauf ankommt, ob S. von seinem Gerichtstermin in Roermond mit oder ohne den Emaillestern zurückkam.
Der Fakt, dass Roermond damals zwar eine Brücke über die Rur hatte, aber keine Brücke über die Maas, macht uns die Entscheidung nicht leichter. Ruderboot, Fähre, weiter Umweg über die Steinbrücke von Maastricht – das waren die Optionen, die S. blieben. Wurde er mit Stern privilegiert befördert – oder blieb er auf den Pferderücken angewiesen? Hielt der kleine Philibert in seinem Kinderbett den pieksigen Stern noch vor dem Einschlafen in den Patschehändchen? Oder soff S. lieber mit dem Postenleutnant in Neeritter, am Napoleonsweg?
Zwei Stempel auf der Geburtsurkunde. Oben das schwarze Achteck mit der Umschrift Dptm. Pas-de-Calais und der Wertangabe 75 Centimes. Unten der rote Stempel der Mairie St. Omer. Und über allem die Frage: Trug er den Stern oder war es bei der Pergamenturkunde geblieben? Peeters sollte langsam mit der Wahrheit herausrücken. Immerhin hat sie Karriere gemacht seit ihrem Auftritt in meinem Romankapitel. Immerhin ist sie heute successor principis.
Zahlen Sie den Preis, Frau Peeters! Sonst dekodiere ich ab Dezember die Ableitungen aus Aby Warburgs Tafeln. Und das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.

Köln, im Dezember 2021

Bitte, wenn man unbedingt leugnen will, dass Talleyrand zeitweilig vice grand electeur war - kann man so machen. Aber dann wundert man sich gefälligst nicht, wenn seine Unterschrift so viele Ernennungsschreiben zu den Wahlkollegien schmückt! Ent oder weder, meine Dame, auch wenn Sie ursprünglich vom Völkerrecht her kommen. Langsam frage ich mich, für was ich Sie und Ihren Haufen eigentlich gewählt habe.

Anderes Thema: Versprechen muss man halten. Deshalb ölt agrippas mund über die Feiertage schon mal die Zunge. Von Alpha bis Omikron.

Köln, im Januar 2022

So wie sich der Soundtrack vieler Hollywoodklassiker auf Sibeliussinfonien zurückführen lässt, oder wie, ganz sicher, die Fernsehserien „Rome" und „Jesse Stone" verwandte Komponisten haben, so führen auch Linien zwischen Literaten, Malern und Zeichnern, den Bildhauern und Architekten der verschiedensten Zeitalter, Sprachräume, philosophischen, soziologischen und ethnischen Herkünfte hin und her. Eine Binsenweisheit, nicht wahr, Frau Peeters?
Trotzdem wollen Sie sich immer noch nicht Aby Warburgs Panels stellen. Sie raunen von der Willkür des legaten unter den principes Barbo Bibesco, Wollert Sverdrup und Adalbert Welti, wie weiland Ernst Gombrich. Sie nehmen Worte wie „unausgereift“ oder „halbgar“ in den Mund. Sie wollen nicht anerkennen, woran just in diesem Moment die Taliban ebenso scheitern, wie Präsident Biden oder Minister Habeck in seinem putzigen dunklen Anzug. Sie wollen die Erkenntnis von Scheitern und Gelingen nicht formalisieren.
Es gibt keinen Algorithmus für das Gelingen. Aber es gibt einen Algorithmus für das Scheitern. Wollen wir sowas nicht langsam mal ins Internet stellen, irgendwas so Banales wie: Schießen Sie sich keine Kugel in den Kopf, wenn Sie weiter leben wollen. Oder: Gier macht dumm. Oder: Man scheisst nicht, wo man isst. Vielleicht tauchen dann produktive Fragen auf, so wie: Ups, und wenn ich nun scheisse, wo andere Menschen essen wollen, was ist dann?
Machen Sie doch einfach mal! Ihr Chef macht’s ja nicht, sondern sitzt nur noch verzweifelt vor‘m Spiegel. Trotzdem, sorry, wünsche ich Karl Bucholtz ein glücklicheres neues Jahr als Ihnen. Sie wissen ja, er und ich und Lank und Monica sind gute alte Feinde!

Köln, im Februar 2022

Nun hat also das Jahr ab urbe condita 2775 so richtig Fahrt aufgenommen. Frankreichs Wahlkämpfer Macron nutzt die EU-Ratspräsidentschaft zum Renommieren. Dem deutschen Neuling Scholz klebt für ein Jahr die G7 an der Backe - man trifft sich wieder in Elmau. Gemeinsam machtlos droht man Putin und wirbt gleichzeitig für das Normandie-Format.
Peking hat Winterspiele mit massig Omikron, wenig Diplomaten, null Menschenrechten und tiefen Wachstumsdellen. Mitte des Monats findet ein EU-Afrika-Gipfel statt, wo erneut die Forderungen laut werden, Impfstoffpatente zu vergemeinschaften. Mal sehen, wie Macron sich dort positioniert. Viel Rücksicht auf Deutschland dürfte er kaum nehmen. Er fing ja schon destruktiv an, rund um den Jahreswechsel mit der Kernkraft-Taxonomie! Aber was will man dem Mann vorwerfen? Merkel hat ihn nach seiner Sorbonne-Rede und der Rede im Deutschen Bundestag am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Wir selbst verderben unsere engsten Freunde zu unsicheren Kantonisten.
Ach ja - Ägypten feiert am 28. Februar seine hundertjährige Unabhängigkeit. Lesen Sie bitte Lawrence Durrell, Das Alexandria-Quartett! Da lernt man viel über das Land, wie es einst war. Und man versteht die Rolle der koptischen Christen. Außerdem hätte Durrell für die vier Bände fast den Literatur-Nobelpreis bekommen. Und vielleicht war dieses "fast", bei dem es dann blieb, ja ganz gut für ihn, denn manch anderem hat so ein Nobelpreis schon den Kopf verdreht.

Für einen deutschen Admiral liegen die Dinge sehr viel klarer. Da ist der Rücktritt fällig, sobald er die Wahrheit über Putins Ukrainepläne ausspricht. Auch der Admiral hält vermutlich den Kreml-Chef für einen Schurken übelster Sorte. Aber der Admiral weiß, dass der Westen sich diesen Schurken selber gezüchtet hat: durch das dumme Gequatsche des Friedensnobelpreisträgers Obama von der Regionalmacht, durch institutionalisierten Vertrauensbruch und das geostrategische Ländergrapschen einer US-gesteuerten NATO. Hat wirklich jemand daran geglaubt, die Russen würden auf der Krim die Heimathäfen ihrer Schwarzmeerflotte in NATO und EU integrieren? Und glaubt wirklich irgendjemand, Russland würde für die abtrünnigen Gebiete in der Ostukraine den Ausschluss vom internationalen Zahlungsverkehr SWIFT riskieren? Amerika erzeugt durch latente Aggression die akute Aggression Russlands, die wiederum Amerikas Rolle in Europa unverzichtbar macht. Was nur funktioniert, weil die Europäer immer noch nicht imstande sind, glaubhaft abzuschrecken.
Aber Fregatten ins Chinesische Meer schicken, um den Amerikanern dort symbolisch beizustehen - das kann Europa. So ein durch und durch machtvergessener Unfug - und nirgends die lenkende Hand der Gründer in Sicht ...

Doch wer weiß? Vielleicht enthält ja agrippas mund diesmal die verschlüsselte Weisung an die Schwarzen Hände, James Brodkey in Boston zu ... sagen wir mal ... pädagogisch auf ihn einzuwirken? Ganz neuer Ton, da unten in agrippas mund!

Passen Sie gut auf sich auf und ...

Köln, im März 2022

Man muss im Leben entscheiden, ob man vorwiegend die Chancen oder die Risiken wahrnimmt. Und für Deutschland, dem eine zerfallende Sowjetunion trotz aller Gräuel des zweiten Weltkriegs die Wiedervereinigung geschenkt hatte, war es lange Zeit legitim, in Chancen zu denken - auch wenn als Gegenüber in Moskau nun ein eiskalter, brutaler Spieler saß. Er hatte die weltgrößte Atommacht unter seinem Kommando. Man vertraute darauf, dass er dieses Blatt ebenso wenig überreizen würde, wie einst die Sowjetmarschälle. Und es tat einem ja auch nicht persönlich weh, wenn er Fassbomben auf syrische Kinderkrankenhäuser schmiss. Schließlich steckte im hintersten Winkel des westlichen Hirns wohl auch noch die gut verdrängte Erinnerung quer, dass man mit dem generösen Verlierer von einst selbst nicht immer ganz so generös umgegangen war - Putins Mantra seit knapp zwanzig Jahren. Und zu allerletzt wusste man, dass das Riesenreich, ganz egal wie gut oder böse, niemals aus Europa verschwindet. Was man von den Amerikanern unter ihrem nächsten Präsidenten nicht ganz so sicher weiß.
 
Alle Blütenträume der Globalisierung sind nun verwelkt, zugleich mit jeder Möglichkeit bequemen Selbstbetrugs. Der eiskalte, beherrschte Spieler entpuppt sich als jemand, der offenkundig nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Putins Angriff auf die Ukraine provoziert die demokratisch verfassten Rechtsstaaten im Kern ihrer eigenen Existenz. Sie müssen der Ukraine jetzt beistehen und notfalls selbst an den NATO-Grenzen kämpfen. Sonst müssten wir an uns selbst verzweifeln – und die Auseinandersetzung käme in ein paar Monaten oder Jahren nur umso brutaler. Energie- und rüstungstechnisch ließe sich in einer solchen Atempause zwar manches Versäumnis aufholen, doch währenddessen würden Feigheit und Schande unsere Seele zerfressen. Ganz zu schweigen von einem Putin, dem ein leichter Sieg vollends zu Kopfe stiege.

Nun – siegen wird er diesmal nicht. Sein geliebtes Russland wird leiden – auch die Unschuldigen und die russischen Friedensdemonstranten, die jetzt schon im Knast sitzen, oder die alten Frauen, die sich mit zögerndem Schritt der ukrainischen Botschaft in Moskau nähern, um dort Blumen niederzulegen. Auch wir werden leiden. Kalte Füße im nächsten Winter und schon vorher der Ausfall der ukrainischen Weizenernte sind das Minimum. Aber das alles ist nicht so schlimm, verglichen mit dem, was die tapferen Ukrainer leiden und immer noch leiden werden, wenn sie irgendwann aus den Trümmern und Bunkern kriechen und Zeit bekommen, ihre Toten zu  beweinen.

Wir alle hätten Wichtigeres zu tun gehabt als diesen Krieg, um als Weltgemeinschaft biologisch zu überdauern. Aber, wie dieser Tage Herfried Münkler in einem Radiointerview sagte: „Das mit der Weltgemeinschaft können wir wohl vergessen.“

Konzentrieren wir uns also auf den geopolitischen Raum, den wir beeinflussen können. Die NATO wird halten. Aber wir müssen der russischen Politik auch in Serbien entgegentreten, in Ungarn, Libyen und Mali. Das Gewicht Polens und der baltischen Staaten in der EU wird wachsen. Die Kosten für Krieg, Aufrüstung, Flüchtlingshilfe und Wiederaufbau werden gewaltig. Ob in einem dialektischen Nebeneffekt dafür wenigstens überfällige energetische Umschichtungen rascher passieren, bleibt nur zu hoffen. Wie ungemein putzig, dass für den 23.-25. März seit längerem der Euro-Gipfel zu Fragen des Binnenmarktes, der Sicherheitspolitik und der Sozialpolitik geplant war. Inzwischen kommt es zu einer Vielzahl paradoxer Effekte: Erdogan könnte politisch überleben, weil er gerade noch rechtzeitig die Meerengen für Russlands Kriegsmarine gesperrt hat. Monaco könnte kriegsentscheidend werden – vielleicht bringt ein flennendes Milliardärssöhnchen, das nicht mehr ganz so bequem auf seine Jacht gelangt, das Fass zivilgesellschaftlichen Unmutes gegen Putin zum Überlaufen. Die nächste Eskalationsstufe könnte in Hongong zünden, wo am 27. März gewählt wird. Der paradoxeste Effekt droht uns vielleicht in Frankreich. Dort könnte ein Vierteljahr, nachdem Deutschland endlich zur Vernunft gekommen ist, eine Frau in den Präsidentenpalast einziehen, die auf Putins Gehaltsliste steht.

Die NATO rückt nun enger zusammen – bei deutlich fairerem burden sharing als jemals zuvor in den vergangenen dreißig Jahren. In diesem Augenblick spricht Biden zur Lage der Nation, während Kiew und Kharkiv unter schwerem Feuer liegen. In seiner Bestürzung über die Lage, in der er sich nach dem gescheiterten Bluff wiederfindet, beschießt Putin nun hemmungslos auch Zivilisten. Die Ukrainer haben indessen angeblich 800 feindliche Fahrzeuge aus der Sechzigkilometerschlange vor ihrer Hauptstadt zerstört. Der Flughafen von Lviv kann immer noch für Waffenlieferungen angeflogen werden

Amerika ist zu lange nach einer Landkarte gefahren, die von seinem eigenen Narzissmus gezeichnet war. Europa hat zu lange nur auf Sicht gesteuert. Nun müssen wir uns tastend fortbewegen. Behutsam, doch entschlossen. Die Richtung steht nicht länger zur Debatte.

Köln, im April 2022

Wie schade, dass Herr Putin offenbar kein Kunstliebhaber ist! Beim Studium des ukrainisch-russischen Malers Ilja Repin hätte er manches gelernt. Die Saporoger Kosaken schreiben dem Sultan einen Brief hätte ihm eine Gruppe von Männern vor Augen geführt, mit denen man sich besser nicht anlegt. Und Die Wolgatreidler hätte ihn vor der Zukunft gewarnt, die seinem eigenen Land jetzt bevorsteht.

Abgesehen von diesem Einwurf kein weiterer Beitrag zur herrschenden Kakophonie. Nur eine einzige Frage: Wenn jetzt vage Pläne hinsichtlich einer Neutralität der Ukraine allseits als lösungsorientiert begrüßt werden, warum wurden sie dann unweigerlich vom Westwind zerfetzt, solange der Krieg noch vermeidbar war?

Wäre nicht eine Finnlandisierung der Ukraine auch ohne so viel Tod, Qual und Verwüstung erreichbar gewesen?

Köln, im Mai 2022

Das Kölner Archiv  bleibt bestrebt, im Menschen das Gute zu sehen - auch im Bundeskanzler. Insofern registriert das Archiv wohlwollend, wenn Berlin die Lieferung der Panzerhaubitzen zwei Tage nach der französischen Stichwahl verkündet. Und in der Tat ist es für den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland legitim, abzuwarten, wer in Paris als Partner sitzt. Das müssen sogar all die woken Journalisten einsehen, die urplötzlich zu abgebrühten Militärstrategen mutieren. Was halt gerade so Konjunktur hat!
Deutschland aber, belastet vom ewigen Fluch der geostrategischen Mittellage, konnte nicht schon wieder eine Zweifrontensituation riskieren - in Moskau der Mann ohne Tassen im Schrank und in Paris seine Untertasse Le Pen. Um im Kalauer zu bleiben: Dieser Kelch ist nun an uns vorüber gegangen. Trotzdem wünscht man sich für die Zukunft deutlichere Kommunikation!

Das Große Archiv ist besorgt über die Lage in den chinesischen Covid-Ghettos, wo zwar kaum Menschen an der Krankheit sterben, desto mehr jedoch an Hunger und Vernachlässigung verzweifeln. Kurzfristig mag es vorteilhaft scheinen, wenn die dortige Covid-Lage Pekings Führung hindert, Russland aktiver zu unterstützen. Aber dieser Schein trügt. Die KPCh schürt in ihrer Legitimationskrise schon jetzt nationalistische Emotionen, um den Volkszorn nach außen zu lenken. Ob diese Emotionen sich nach dem Abebben der Seuche wieder einfangen lassen, ist durchaus fraglich. Es könnte zu einem Angriff auf Taiwan kommen, nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche. Insofern hat Scholz auch mit der Auswahl seines ersten Besuchsziels in Asien richtig gehandelt - Japan. Ja, sein schlumpfiges Grinsen nervt manchmal! Aber er macht nicht alles falsch.

Lesen Sie mal wieder Joseph Brodsky, Anatolij Rybakow oder Michail Bulgakow, um ein Gespür dafür zu behalten, dass nicht alle Russen verrückte Kriegsverbrecher sind. Die müssen jetzt besiegt werden, daran führt kein Weg mehr vorbei. Aber wenn sie besiegt sind, werden sie erstens immer noch da sein. Und zweitens, ganz egal, welch schreckliche Verbrechen zwischendurch verübt wurden, sind dann immer noch mindestens fünftausend Atomsprengköpfe übrig in ihrem Arsenal.

Der Westen, sogar die Ukraine, muss dann Worte finden, mit denen wieder zu reden. Auch daran führt kein Weg vorbei.

Köln, im Juni 2022

Dass Sanktionen nach hinten losgehen können, werden wir demnächst noch einmal gesondert am Beispiel von Claude-Joseph Sapin durchbuchstabieren. Dabei geben weder das Französische noch das Deutsche den Vorgang korrekt wieder: "blocus continental" ist ebenso irreführend wie "Kontinentalsperre". Man muss schon das Englische bemühen. Erst "continental system" impliziert, dass dem Aussperren von Waren aus einem Raum in diesem Raum zwangsläufig eine Substitutionsökonomie folgen wird. Wir werden daher auf mittlere Sicht auch Ungarn und Österreich disziplinieren. Man sieht sich auf Schloss Elmau!

Köln, im Juli 2022

Zunächst sei den Tschechen eine glückliche Hand gewünscht für ihr halbes Jahr EU-Ratspräsidentschaft – in solchen Zeiten! Wohl noch nie hat dieser turnusmäßige Stabwechsel in einer kritischeren Phase stattgefunden, und das Prager Archiv dürfte alle Hände voll zu tun bekommen.
Denn die Zeit drängt. Sie drängt für die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine. Für die Handlungsfähigkeit von EU und NATO. Und schließlich für die Entwicklung neuer operativer Fähigkeiten - egal unter welcher der beiden Flaggen. Gut wäre, wenn wir tun könnten, was wir tun müssen, solange die Administration Biden noch an der Macht ist, denn danach sind alle Wetten ungültig. Schlimmstenfalls zieht Amerika sich dann hinter den Atlantik  zurück und lässt Europa ohne genügende militärische Fähigkeiten allein mit dem aufs Äußerste gereizten Russland. Vor einer solchen Entwicklung muss entweder das System Putin komplett zerstört sein, oder Russland als solches militärisch so weit geschwächt, dass die europäischen Verbündeten eine Atempause bekommen, um aufzurüsten und sich besser zu organisieren. Es ist ja nicht getan mit der bloßen Ankündigung von Geldmitteln und Truppenstärken, auch wenn die Beschlüsse von Elmau und Madrid zunächst so schlecht gar nicht klingen.

Inzwischen wird unsere Standhaftigkeit getestet, vor allem energiepolitisch. Aber auch währungspolitisch. Tut die Zentralbank, was sie tun müsste, um die Inflation einzufangen, dann bekommen die Südstaaten gleich wieder Probleme, sich bei höheren Zinsen zu refinanzieren, und es droht die nächste Eurokrise.
Zudem müssen wir lernen, Millionen Menschen beim Hungern zuzusehen. Denn auch das muss einmal ausgesprochen werden: Die Ukraine nimmt ihre unbezweifelbaren Rechte wahr, und große Teile der Welt sind solidarisch. In mancher Gegend ist man unfreiwillig dermaßen solidarisch, dass man verhungert, weil die Ukraine zum Schutz ihrer verbliebenen Küste, das Schwarze Meer vermint.

Gerechtigkeit hat auch anderswo ihren Preis. Schweden etwa opfert treue Verbündete des Westens gegen den IS dem niederträchtigen Kalkül Erdogans – um bei der NATO unterschlüpfen zu dürfen. Der grüne deutsche Wirtschaftsminister fährt die Kohlekraft wieder hoch. Die EU lässt Boris Johnson in Nordirland weitgehend ungehindert machen ... und, und, und ...! Gerechtigkeit ist das vielleicht teuerste Gut überhaupt. 

Ceterum censeo naturam esse defendam

Köln, im August 2022

Zunächst, weil es sich einfach so gehört, die besten Glückwünsche an Indien und Pakistan zum 75. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit! Princeps Karl Bucholtz wird demnächst wieder Stellung beziehen zu seinem oft belächelten „Hobby“ Pakistan.
Sodann unsere Genesungswünsche für Joe Biden! Erstaunlich, wie viel doch an einer einzigen Person hängt, zumal die Harris bis jetzt keine der erhofften Qualitäten gezeigt hat.

Herr Putin meint ja, am Ende gewinne der, der den Willen dazu habe, was in seinem Fall wohl heißt – die geringsten Skrupel. Nach unserer Erfahrung ist da einiges dran, aber so ganz stimmt es doch nicht. Denn am Ende gewinnt, wer die Ressourcen hat. Und wenigstens in dieser Hinsicht können wir auch mal dem freien Westen gratulieren.
Als Peter der Große am Vorabend der Schlacht bei Poltawa Kloster und Stadt Belgorod besuchte, hat er sich wohl nicht träumen lassen, dass in ferner Zukunft der Geheimdiensttaktiker Putin diesen Besuch und den Namen der Stadt schänden würde, indem er seine vermeintliche „Drittschlagswaffe“, das neue Super-U-Boot Belgorod nennt. Tief in den Ozeanen soll es nun seine Bahn ziehen, um aktiv zu werden, wenn alle Interkontinentalraketen verschossen sind. Dann soll die Belgorod mit ihren Poseidon-Torpedos Tsunamis an den Küsten der Vereinigten Staaten auslösen oder die britischen Inseln unter Wasser setzen, sie soll locker jede übrig gebliebene Navy Battle Group versenken und mit ihren unbemannten Mini-U-Booten die Kommunikationskabel am Meeresgrund durchschneiden. Oder sprengen. Denn, so Putin: „Wenn es kein Russland mehr gibt, wozu braucht es dann noch die Welt?“

Nun, hierzu gibt es sicherlich noch eine zweite Meinung.

Sie könnte dabei ansetzen, dass die Poseidon-Torpedos vorläufig noch in der Entwicklung stecken und damit enden, dass sich die grandiose Waffe Belgorod schließlich ebenso als potemkinsches Projekt erweisen dürfte, wie der gepriesene Armata T-14, jener Panzer, vor dem alle Abrams-Modelle sich angeblich verstecken müssten. Nur – einsatzfähig ist er halt noch nicht! Wurde noch nirgends in der Ukraine gesichtet. So ist das mit den Träumen des Herrn Putin ...
Wenn man auf dem Schlachtfeld nicht liefern kann, brüllt man eben in Petersburg die neue Marinedoktrin gegen die steife Brise.

Vielleicht hätten wir gut daran getan, jemandem, der so viel Respekt braucht, offenbar dringender als die Luft zum Atmen, mehr davon zu geben. Ihn zumindest nicht offen zu verhöhnen, wie Obama das gemacht hat. Vielleicht hätte man Putin mit Respekt einlullen können, zumindest noch für eine Weile, bis er senil wäre. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ihm jeglicher Respekt fortan verweigert werden sollte. Das heißt, man soll nicht jammern, wenn es im Winter kalte Füße gibt. Das heißt, man soll nicht klagen, wenn das Brot mehr kostet, als man sich leisten kann. Das heißt, man soll nicht schlottern, wenn der große Weltvernichter wieder mal mit seinem nuklearen Arsenal protzt. Das war übrigens an keinem einzigen Tag seit dem Fall der Berliner Mauer anders. Wenn jemand in Moskau beschließt, dieses Arsenal einzusetzen, dann können wir ihn nicht hindern. Wir können dann nur hoffen, dass der amtierende US-Präsident entschlossen reagiert. Denn wir waren uns zu fein, solche Waffen selber anzuschaffen. Nun lebt man halt in dieser existenziellen Abhängigkeit. Oder, wie Herr Lawrow kürzlich formulierte: „Ihr Westeuropäer seid nicht der Kriegsgegner. Ihr seid nur die Trophäe im jahrhundertelangen Kampf zwischen den Land- und den Seemächten.“

Sie sind düster und maßlos, die Träume des Herrn Putin. Lange hat man ihn für rational gehalten. Doch träumt er wohl mit Herrn Dugin vom Russki Mir, dem großrussischen Reich von Dublin bis Wladiwostok. Warum ausgerechnet Dublin? Na, ist doch klar: Ein russischer Zar mit dem Beinamen Theodor sei der wahre Begründer des Hauses Tudor und damit legitimer Herrscher über die britischen Inseln gewesen, weshalb diese auch heute noch zur Russischen Welt gehörten. Selbstverständlich! So raunen es die Vertreter von Fomenkos „Neuen Chronologie“, deren Strukturen und himmelschreiende Analogieketten verdächtig an Heribert Illigs Phantomzeitkonstrukt erinnern, an dem sich diese Website vor zwanzig Jahren schon abgearbeitet hat. So schließt sich auch dieser Kreis. Allerdings ist Fomenkos Unfug älter als derjenige Illigs – was wohl die Frage klärt, wer von wem abschreibt.

Man kann diesen Stuss nicht rational bekämpfen. Man kann auch nicht mit ihm verhandeln. Man kann ihn nur erschöpfen und an der eigenen Müdigkeit krepieren lassen. So, wie das auch für die alten Sowjetwaffen auf den Feldern der Ukraine gilt. Ich ganz persönlich habe ja immer schon Herbert Rosendorfers Roman Der Ruinenbaumeister höchst inspirierend gefunden. Diese Idee von der Dispositionsparallaxe, in der die Zigarre hängt, aus der heraus wir einen spirituellen Krieg gegen den Angreifer führen – die hat was.

Köln, im September 2022

Nun ist Michael Gorbatschow also gestorben - möge ihm die Erde leicht sein! So gering sein Einfluss zuletzt war, so offen die Anfeindungen durch Figuren wie den Pseudodenker Dugin, so sehr wird er trotzdem fehlen. Denn in Gorbatschows Person gab es jene Referenzgröße, an der sich Russland wie es war, wie es ist und wie es einmal sein könnte, messen ließ. Vorbei!

Wollen wir hoffen, das Salman Rushdie das Attentat, bei allen körperlichen Einschränkungen, mit ungebrochener Kreativität überlebt. An seinem Schicksal lässt sich messen, wie wenig breite Strömungen des Islam mit Frieden oder Toleranz zu tun haben. Woran wir nichts ändern können. Nur sollten wir jetzt unseren woken Nachbarn noch einmal eindringlich befragen, in wessen Gesellschaft er sich begeben hat, als er Rushdies Meisterwerk Die Satanischen Verse wegen vermeintlicher Mikroaggressionen gegen den Islam verteufelte. Wenn man die Intoleranten nicht mehr verspotten darf, weil die sich gekränkt fühlen könnten, dann rollt der blanke Irrsinn dem Terror einen roten Teppich zur Machtübernahme aus.

Nur wir ach so guten Menschen lassen uns wie immer alles gefallen und sind auch noch stolz darauf. So werden wir allesamt, kopfschüttelnd zwar, jedoch ansonsten reaktionslos, dabei zusehen, wie Brasiliens amtierender Präsident anlässlich der 200-Jahr-Feiern seines Landes ein extragroßes Stück Regenwald im Amazonasbecken abfackelt. Schließlich muss noch ein paar Wochen lang was auf den Grill!

Köln, im Oktober 2022

Angesichts von russischer Teilmobilmachung und ukrainischem Geländegewinn, angesichts von Scheinreferenden, lecken Pipelines und Atomzug, angesichts von Königinnensterblichkeit in London und Faschistinnenwiedergeburt in Rom, angesichts brennender Schleier in Teheran und der Konferenz auf Bali teilen wir der Welt mit:

Noch vor Weihnachten wird sich twas ändern!

Das ist kein Bluff!

Köln, im November 2022

Bis in alle Ewigkeit, so lange bis der letzte Historiker im Klimawandel verbrutzelt ist, wird folgendes Koinzidenz immer und immer wieder thematisiert werden - und die Frage am Leben erhalten, ob es so etwas wie poetische Gerechtigkeit in der Geschichte gibt: In einer Spanne von nicht einmal dreißig Tagen liegen die Midterms der USA und der Abtransport der Gebeine des Fürsten Potemkin aus Cherson.So geht er dahin. Der Gründer Neu-Russlands. Der Erbauer jener hübschen Dorffassaden, hinter denen nichts stand. Da ist die Frage fast schon müßig, ob Brasiliens neu gewählter alter Präsident Lula da Silva sich im Amt halten kann. Und wie er sich zu Lawrows gefährlichem Plan stellt, ein antiwestliches Rohstoffkartell aus Russland, der OPEC, Südafrika - und eben Brasilien zu bilden

Köln, im Dezember 2022

So ist das mit dem Mandat des Himmels: Wer sich ernstlich um lebenslange Herrschaft bewirbt, dem kann schon ein kleines Virus den kompletten Auftritt verhageln. Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wer sich ernstlich über Chinas zur Schau gestellte Skepsis hinsichtlich einer atomaren Eskalation des Ukrainekriegs freut, der sieht schon in der Woche drauf die Landung mehrerer Antonows auf chinesischen Militärflughäfen. Nur, was die schweren Transporter laden und gen Russland befördern, das zeigen die Satellitenbilder leider nicht. Ein Lump, wer Böses dabei denkt, wenn der US-Präsident anschließend  prompt den Vertrieb einer ganzen Batterie chinesischer Elektronikprodukte in den Vereinigten Staaten untersagt.

Wir, die wir solche Betrachtungen anstellen dürfen, sind wahnsinnig privilegiert. Anderswo auf der Welt friert man, dass die Zähne klappern. Oder man hungert, dass Ödeme den Bauch aufblähen. Was, in beiden Fällen, das Anstellen von Betrachtungen extrem erschwert.

Breaking News: Zur Stunde 30 Siedlungen im Raum Cherson unter russischem Beschuss. Seit Februar 16.000 Raketenangriffe auf die Ukraine. Amerika beliefert Finnland mit Raketen. Polen will die stärkste europäische Militärmacht werden. Die EU-Staaten können sich nicht auf einen Preisdeckel für russisches Öl einigen. Naja, wieso denn auch, die Reedereien Griechenlands, Zyperns und Maltas verdienen sich ja dumm und dämlich an russischem Öl. Nicht zu vergessen die Schiffsversicherer!

Schöne Feiertage allerseits!

Aber - das ist natürlich nur die wohlfeile Moralkeule. Um den allzu häufigen Absturz auf derart billiges Niveau hinkünftig zu vermeiden, legt sich vielleicht der eine oder die andere eine neue strategische Kultur zu - und die entsprechende Debattenkompetenz - unter den ökologisch nachhaltigen Tannenzweig mit Strohstern und Kerzen aus echtem Bienenwachs. Das wäre dann das Mandat des Himmels, aus dem Chinesischen übersetzt ins Deutsche.

Wobei wir uns über zwei kleine Weihnachtsgeschenke tatsächlich, ohne Ironie, von ganzem Herzen freuen dürfen: Dem Herrn Trump werden wir als Präsident wohl nicht mehr wieder begegnen. Und der Herr Bolsonaro hat mit seinem trumpistischen Justizfeldzug gegen das Wahlergebnis krachend verloren.

Ceterum censeo naturam esse defendam

Köln, im Januar 2023

Neben den üblichen Neujahrswünschen bleibt diesmal wenig zu sagen: Mir wurde umfangreiches Material zur Komplettierung der Rubrik Datacons ausgehändigt. Da muss aber noch etliches aufbereitet werden, sodass die ersten Ergänzungen frühestens im Februar stattfinden.
Plumbum Agrippae 3.0 hingegen wurde vorübergehend ausgelagert. Fragen Sie nicht - ich überbringe nur die Botschaft.
Außerdem ist ein Haufen alter editorials im Papierkorb gelandet.

Ceterum censeo naturam esse defendam.

Köln, im Februar 2023

Zum Jahrestag der Elysée-Verträge hätte man sehr schön mit Childerichs Grab in Tournai aufmachen können, samt der Biene als Napoleons Wappentier. Oder mit Chlodwigs Taufe. Tatsächlich sind diese Ereignisse nun brav in Datacons integriert, zusammen mit ein paar weiteren Ergänzungen aus der Epoche der Völkerwanderung. Darunter von besonderem Interesse: Als Cassiodorus, der Gründer, der Ex-Minister Theoderichs und stetige Vermittler zwischen Römern und Goten den Küstentribunen schreibt, bittet er um Hilfe für die Lebensmitteltransporte aus Istrien. Cf. Ukraine.

Köln, im März 2023

Während wir also warten, ob China Waffen verkauft oder Frieden vermittelt, befasst sich das Update, bar jeder Aktualität, mit Odo von Mantua praef. strat. von 950 bis 1002 und seinem Angstgegner, dem Markgrafen Ekkehard von Meißen. Halten wir schon einmal fest, dass der Strategiepraefect ein Schleckermaul gewesen sein muss, denn laut Datacons starb er an einem vergifteten Hirschgelee. Aber bitte - wie alt ist dieser Mann geworden!? Im hohen Mittelalter, als die Lebenserwartung ein Bruchteil der heutigen war?! Ab 950 für zweiundfünfzig Jahre auf seinem Posten, einem der höchsten in der Hierarchie der Dreiunddreißig. Und vor 950 muss er doch eine Karriere gemacht haben, um auf diesen Posten zu kommen. Wenn wir komplett verwegen sind, mag er das im Alter von dreißig Jahren geschafft haben, Dann wäre er bei seinem Tod im Jahr 1022 zweiundachtzig gewesen. Alle Achtung, dieses Alter alt wird der Klimawandel den wenigsten heute geborenen Kinder gönnen!

Ceterum censeo naturam esse defendam.

Köln, im April 2023

Im April weben wir ein schönes historisches Geflecht über die Jahre 1066, 1082, 1083, 1463, 1724, 1803, 1812, 1871 und 1944. Unser Update der Akte Datacons beschreibt, mehr oder minder, das Schicksal des Teppichs von Bayeux.

Widmen Sie trotzdem manchmal der Ukraine noch einen Gedanken, vorzugsweise wenn Sie Ostern spazieren gehen, selbstverständlich Goethes Faust rezitierend:
"Vom Eise
befreit sind Strom und Bäche ..."

Köln, im Mai 2023

Schön, dass wir in diesem Update für Akte Datacons so viel über den kunsthistorischen Kontext zu Tizians Sitzung des Rates unter Dirk van Bleiswijk lernen! Uneingeschränkt schön, auch, endlich den Zusammenhang mit der Biographie Luthers und der Glaubensspaltung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu verstehen. Erst recht schön der Zusammenhang mit Vittore Carpaccio und den Ereignissen in Der Kontrakt des Söldners! Wie allerdings Georg von Frundsbergs Scheitern als Söldnerführer und das daraus resultierende Sacco di Roma in diesen Schnipsel Vergangenheit passen, wird wohl erst die Zukunft weisen. Alsdann ...

Ceterum censeo naturam esse defendam.

Köln, im Juni 2023

Wie intonierte mein von fern angehimmelter Schulkamerad Bucholtz damals mit hohem Ernst, die Nase tief im Putzger? "Eine gute Karte erklärt mehr als tausend Bücher", pflegte er zu sagen. Alsdann zu Joachim Haar und seinem Gründer-Atlas in Akte Datacons.

Ceterum censeo naturam esse defendam.

Köln, im Juli 2023

Dieses Update der Akte Datacons ergänzt einige innervenezianische Aspekte der Jagd auf das Clüver-Manuskript, die uns seit dem Juni beschäftigt. Direkte Kausalzusammenhänge sind kaum zu erahnen. Ich verzichte daher auf jeden Erklärugsversuch, in der Hoffnung, dass eine Gründer-Führung der Zukunft verhindert, dass ich als kompletter Depp dastehe und stehen bleibe. Die mikroskopischen Updates finden im Zeitraum zwischen 1624 und 1632 statt.

Köln, im August 2023

Die Hoffnung auf eine künftige Führung des Rates, die ich mir im Juli zu äußern erlaubte, hat man mir in der aktuellen Führung sehr übel genommen. Ich beschränke mich daher auf den Hinweis, dass das August-Update der Akte Datacons den turbulenten Verwicklungen der chinesischen Politik und der Geschichte von COT und COR gewidmet ist - vor dem Hintergrund der Spätphase des Kalten Krieges zwischen 1968 und 1975.

Ceterum censeo naturam esse defendam!

Köln, im September 2023

Wollen sie durch die Betonung der Dauer und Grausamkeit des griechischen Befreiungskriegs darauf hinweisen, was der Ukraine bevorstehen könnte? Wie üblich kann ich mir nur solche Fragen ausdenken - die Antwort bleiben meine Auftraggeber schuldig. Akte Datacons ergänzt also im September die Staatswerdung des modernen Griechenlands. Mit den ionischen Inseln, besonders mit Korfu geht es 1800 los, eher ein Abfallprodukt der Vernichtung Venedigs durch Napoleon Bonaparte. Und es endet 1912/13 mit den schrecklichen Balkankriegen. Heutzutage ist man schon erleichtert, den Sommerurlaub, anders als geplant, nicht auf dem brennenden Korfu verbracht zu haben.

Köln, im Oktober 2023

Mancher würde sagen, die Geschichte sei rasch über Julian Apostata hinweggeschritten. Der Apostat - nur eine bedeutungslose Episode in der Entwicklung des frühen Christentums. Wer aber die erste Auflage meines Romans Das Archiv der Gründer gelesen hat, der weiß, dass Kaiser Julian dem Haus des Safranhändlers in Konstantinopel, hinter dessen Fassade sich das byzantinische Archiv verbarg, einen wundersamen Dachgarten geschenkt hatte. Und dieser Garten verschwand erst, als Spyridon Lambros, der letzte legat von Konstantinopel, sein Archiv sprengte, weil Spezialeinheiten des Halbmondrates eindrangen, am Tag, als die Stadt fiel. Neben Lambros hockte zu dieser Stunde der besiegte Paläologenkaiser im tiefsten Keller des Byzantinischen Archivs.
Man könnte also durchaus sagen, dass der zertrümmerte Garten des letzten "Heidenkaisers" das Grab des letzten orthodoxen Kaisers bedeckt. Obwohl der ja zuvor in Ferrara oder Florenz konvertiert war. Bleibt die Frage, was der Welt alles erspart geblieben wäre, wenn der Philosoph und Polytheist Julian das Rad der Geschichte hätte zurückdrehen können.
Im Oktober also biographische Nachträge zu Julian Apostata, wie immer in Akte Datacons.

Köln, im November 2023

In diesem Update für Akte Datacons kreuzen sich noch einmal die Wege Goethes und Casanovas. Das Haus ohne Tür erduldet die französische Besatzung Venedigs. Sapin reitet irgendwo in der Nähe von Neuwied, selbstverständlich unter Moreaus Oberkommando, während Bonaparte mit dem Kaiser in Wien den eigentlich illegalen Vorfrieden von Leoben schließ. Tempora mutantur. Und, wie der ausnahmsweise mal kluge Pennälerwitz zu reimen pflegte: außer auf der Standuhr.

Köln, im Dezember 2023

Da haben wir in unseren diesjährigen Updates ein weites Feld beackert, beginnend bei Ereignissen unmittelbar vor der Gründung des Großen Archivs in Venedig! Sodann die Goldene Bulle für die Lagune, der Teppich von Bayeux, Tizians Bild im Büro des princeps. Ein bisschen Dreißigjähriger Krieg und venezianische Lokalgeschichte. Die Gründer und der Orakelrat. Griechenland und die Türkei. Julian Apostata und Bonapartes Attacke auf Venedig. Und schließlich im Dezember die städtebaulichen Details, die letzten Endes zur Erstürmung des alten Kölner Archivs im Jahr 1999 führten.

Das alles bei fortwährender tagespolitischer Abstinenz in den editorials, die mir auch weiterhin verordnet bleibt.

Ein bisschen was geschafft - doch etliches bleibt noch zu tun.

Guten Appetit - und mögen alle Ihre Weihnachtswünsche in Erfüllung gehen!

Köln, im Januar 2024

Was soll man sagen: Passen Sie dieses Jahr gut auf sich auf? Oder: Lassen Sie sich auf Akte Datacons über die Ursprünge des neuzeitlichen europäischen Kolonialismus' informieren?

Bleiben Sie jedenfalls dran, dann wird's schon irgendwie werden!